Marketing Agentur macht Geschäfte mit der Angst

Ist man im Markt der Krisenvorsorge tätig, begibt man sich auf eine Gratwanderung zwischen seriösem Produktangebot und Scharlatanerie – aber Seriosität gewinnt.

Vor einiger Zeit wurde ich mit der Erarbeitung eines Marketingkonzeptes betraut, das die Vermarktung eines Krisenvorsorgeproduktes zum Inhalt hatte. Dabei ging es jedoch weniger um Vorsorgeprodukte wie man sie aus dem Versicherungs- und Kapitalanlagebereich kennt, sondern um Krisenvorsorge im Falle eines Zusammenbruchs unserer gesellschaftlichen Ordnung als Folge von äußeren Einflüssen.
In diesem Zusammenhang wird man mit so allerlei Untergangspropheten und Horror-Szenarien konfrontiert.

Die Annahmen des Kunden
– Eintritt eines Krisenszenarios:
Naturkatastrophen (Erdbeben, Klimawandel, …), Kriege, schwindende Rohstoffe und damit verstärkt Rohstoffspekulationen, Verschuldung der Staaten und mangelndes Sparen => Finanzcrash => Staatspleiten => Inflation, …

– Nahrungsmittelknappheit
Aufgrund solcher Ereignisse ist die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln nicht gewährleistet oder möglich (kein Treibstoff/Verkehr, Warenaustausch, etc…).

– Der Staat fällt aus
Der Einzelne muss selbst versuchen, Nahrungsmittel zu beschaffen.

– Überleben steht ganz oben
Es geht nicht mehr um die Sicherung von Vermögen oder Besitz, sondern um die Versorgung mit Lebensmittel.

Der Kunde, der im landwirtschaftlichen Bereich tätig ist, beabsichtigt daher ein Produkt anzubieten, mit dem im Falle einer Krise eine Basisversorgung mit Nahrungsrohstoffen gewährleistet ist, mit anderen Worten: „kaufe jetzt deine Nahrungsmittel, ich garantiere dir die Lieferung im Falle einer Krise”.


Der Krisenvorsorgemarkt und Voraussetzungen

Eines kann ganz klar festgestellt werden: Der „Krisenvorsorgemarkt“ ist vorhanden. Dabei bedarf es nicht einmal des schon lästigen „Maya“ Kalenders, ein Blick in die Nachrichten zeigt, wie relevant dieses Thema im Zuge des japanischen Reaktorunfalles geworden ist, oder welche gesellschaftlichen Auswirkungen die Folgen der Währungs- und Finanzkrisen auf uns haben.
Unzählige Artikel in div. Medien bestätigen eine latente Sorge der Menschen, ihr Vermögen zu verlieren, bzw. die Existenz in der Zukunft nicht sicherstellen zu können. Die überwiegende Diskussion über Ängste und ihre Linderung spielt sich jedoch in den – wie ich sie nenne- „versteckten“ Medien ab = Internetforen, Blogs, Webseiten.
In den Massenmedien (TV, Tageszeitungen) werden Krisen zwar thematisiert, aber intensive Darstellungen möglicher Crash – Folgen vermieden. Befürworter der Nahrungsmittel-Bevorratung und Sicherung werden oft belächelt und als Spinner, Propheten und Geschäftemacher „dargestellt“.

– Angst (Vermögensverlust, Existenzverlust,..), Besitz und Bildung sind die Voraussetzungen für die Bereitschaft zur Vorsorge.
– Vorsorge kann sich nur leisten, wer finanziell dazu in der Lage ist.
– Wer hat Angst und was sagt Google?

 

Ein check der Google Keywords (Österreich) zeigt uns, welche Begriffe aus dem Bereich Vorsorge und Angst relevant sind.

KeywordLokale Suchanfragen pro Monat (Österreich)
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Die Zielgruppe des Krisenvorsorgemarktes gibt sich ziemlich bedeckt und unauffällig. Die Tatsache, Angst zu haben wird eher verschwiegen. Zum Anderen möchte man seinem Nachbarn nicht unbedingt mitteilen, dass man über eigene  Lebensmittelvorräte oder einen Luftschutzbunker verfügt – man weiß ja nie, was im Notfall so alles passiert und wie sich Menschen möglicherweise verändern.
Das bedeutet aber auch, dass man als Unternehmen versuchen muss „gefunden zu werden“ und das – aufgrund des „versteckten“ Marktes – hauptsächlich über Onlineaktivitäten.
Gleichzeitig ist das Ansehen/Image/Verlässlichkeit des Anbieters von entscheidender Bedeutung für jemanden, der im sensiblen Bereich der Vorsorge nach Lösungen sucht.

 

Glaubwürdigkeit als Voraussetzung für Erfolg
Wie eingangs erwähnt, stößt man bei der Erkundung des Krisenvorsorgemarktes  auf sehr unterschiedliche Informationsquellen. Von eher seriösen, sachlichen Homepages wie einigen Zivilschutzorganisationen und Langzeitlebensmittelproduzenten bis hin zu Untergangspropheten und Verschwörungstheoretikern, vorzugsweise im Blogbereich.

– Will man als Unternehmen im Vorsorgemarkt erfolgreich sein, ist es dringend erforderlich, seriöse Diskussionsforen von reinen „Angstmacher – Seiten“ zu unterscheiden.
– Gerade wenn man für Kooperationen auch den Kontakt zu öffentlichen Stellen sucht (braucht), muss Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit garantiert werden.
– Dementsprechend vorsichtig und kontrolliert sollte auch die Argumentation des eigenen Standpunktes und Produktkonzeptes dargebracht werden.
– Finger weg von Panikmache und Schwarzmalerei, dafür seriöse Aufklärung und Beratung als Basis für den Geschäftserfolg im Krisenmarkt.

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